Ich erinnere mich noch gut an die Kampagne, die Apple 1997 als Antwort auf den IBMs-Slogan “Think” gestartet hatte: “Think Different”. Auf den Postern waren grosse Persönlichkeiten abgebildet wie Einstein, Picasso oder Ghandi.
Wer damals ein Mac User war, wurde schräg angeschaut, man war ein Exot, oder sogar ein Spinner. Apple war eine sympathische Firma, ein Underdog, der gegen den Giganten Microsoft ankämpfte. Zielpublikum war die Grafik-, Film- und Fotobranche. Zudem setzten viele Schweizer Schulen schon früh auf Apple Geräte.
Heute sieht die Situation anders aus. Brasilien ist ein sehr gutes Beispiel, um zu zeigen, wie sehr sich Apples Zielpublikum verändert hat. Als ich vor rund 3 Jahren hier im Nordosten Brasiliens ankam, war Apple praktisch nicht existent. Heute sehe ich täglich Apple Aufkleber an den Autos, die Hauptdarsteller in den Telenovelas telefonieren mit iPhones oder erledigen ihre Geschäfte mit ihren iPads. Kurz zusammengefasst: Brasilien dient als Indikator für den Abstieg Apples in die Durschnittlichkeit. Alles was zählt ist Profit, und dieser wird nur möglich, wenn der Massenmarkt bedient wird. Trotz Rekordgewinnen sind die Arbeitsbedingungen bei den chinesischen Zulieferern katastrophal. Ich befürchte, dass die geplante iPad-Produktionsstätte in Brasilien nicht viel besser davonkommen wird. Gespart wird beim Personal. Die Apple-Aktionäre wirds freuen.
Spätestens nächstes Jahr werden wir wohl den ersten Apple Fernseher vorgestellt bekommen. Machen wir uns nichts vor, Apple ist keine Computerfirma mehr. iPhone, iPad, der App- und iTunes-Store sorgen für den Umsatz. 1997 wurde das Wort “Computer” aus dem Namen gestrichen.
In Bälde wird hier in João Pessoa ein neuer Apple Laden aufgehen. Wer heute etwas auf sich hält, kauft Apple, weil es chic ist.
Ich hoffe sehr, dass Google in naher Zukunft ein taugliches Betriebsystem auf den Markt bringt. Dann heisst es für mich nach 18 Jahren Apple-Welt: und tschüss!
Think different.
