Endspurt

May 10, 2012 · 0 comments

Unsere Videoproduktion der Favela “S” befindet sich in der Endphase. Heute waren wir das letzte Mal dort, um einige noch notwendige Aufnahmen zu machen. Das Video wird wohl rund 20 Minuten dauern. Geplant ist eine Vorführung in der Favela mit Grossbildschirm. Natürlich ergab sich immer wieder die Gelegenheit, um zu Fotografieren.

Menino

Menino

Menina

Sorriso

Baixo Roger

Für Technikinteressierte
Das Video habe ich mit Final Cut Pro X geschnitten, um die Software einmal ausgiebig auf Herz und Nieren zu prüfen. Nachdem ich einige Jahre das “alte” Final Cut Pro benutzt habe, kann ich mich mit der neuen Software nicht so richtig anfreunden. Es gibt zwar einige nette Features, wie die automatische Synchronisation von Audio und Video oder die neue Timeline, aber insgesamt ist mir die Software nicht so richtig sympathisch. Werde wohl das neue Premiere CS6 ausprobieren.

Hier meine Materialliste, die den tropischen Härtetest bestanden hat bei Sand und Sonne:

Canon 5D Mark2 mit EF 70-200 mm 1:2,8L IS II USM
Canon 7D mit 50 mm – F/1.8 – Canon EF // Tamron 17 mm-50 mm – F/2.8
Zoom H4n Audioaufnahmegerät mit Redhead Windschutz
Manfrotto Stativ 055CXPRO3 mit 498 Kugelkopf
PeliCase 1450 (danke Roberto!)

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Superlua

May 6, 2012 · 0 comments

Auch in João Pessoa war heute Abend der sogenannte “Supermond” zu sehen.

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Sebastião Salgado

April 23, 2012 · 0 comments

Brasilien ist im Ausland vor allem für seine Sportler bekannt. Ausserhalb des Landes kennt man vielleicht noch ein paar Musiker. Andere Kunstschaffende stehen aber eher im Schatten. Eine Persönlichkeit, die ich besonders mag, ist der Fotograf Sebastião Salgado.

Foto: AFP

Sebastião Ribeiro Salgado wurde am 8. Februar 1944 in Aimorés, Brasilien, geboren. Er wuchs auf einem Bauernhof neben sieben Schwestern als einziger Sohn auf. “Salgado heißt im Portugiesischen Salz und Ribeiro, mein mittlerer Name, kleiner Fluss. Ich heiße also kleiner Salzfluss“, erzählt Salgado seinem Interviewer für das Buch Augen des Jahrhunderts.
Salgado studiert ein Jahr Jura, dann wechselt er in das Fach Wirtschaftswissenschaften an der Universität in São Paulo. Nach einjähriger Beschäftigung im Finanzministerium in São Paulo arbeitet Salgado als Wirtschaftswissenschaftler für die International Coffee Organization in London und bekommt eine Stellung bei der Weltbank in Washington angeboten.

Er lehnt ab. 1969 zieht er mit seiner Frau Lélia nach Paris. Ab 1973 verdient Salgado als freischaffender Fotograf sein Geld. Von 1979 bis 1994 ist er Mitglied von Magnum Photos, einer Fotoagentur in Paris.

Noch heute lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Söhne in Paris, wenn er sich nicht gerade auf einer Fotoreise befindet. Weltberühmt wurde Salgado, als er am Seiteneingang des Hilton Hotels in Washington den Attentatsversuch an Ronald Reagan mit der Kamera festhalten konnte.

Sebastião Salgado ist Fotograf aus Überzeugung. Das große Vorbild für den Autodidakten ist der englische Fotograf Bill Brandt. Wie Brandt wollte Salgado soziales Engagement und ästhetisches Kalkül miteinander verbinden. Zu seinem Projekt Exodus sagte er im Juli 1999 Folgendes:

“Wahrscheinlich hat mich mein eigenes bewegtes Leben zu diesem Projekt animiert. Ich wurde in einem Dorf im ländlichen Staat Minas Gerais in Brasilien geboren; als ich fünf war, zog meine Familie in die Kleinstadt Aimorés; als Teenager ging ich nach Vitória, der Hauptstadt des Bundesstaates Espírito Santo, um dort die Schule zu beenden und mit dem Studium zu beginnen; und nachdem ich meine Frau Lélia kennen gelernt hatte, zogen wir in eine Großstadt, São Paulo, wo ich Wirtschaftswissenschaften studierte. Mit jedem Schritt geriet ich tiefer in das Dickicht der Städte. 1969, in Brasilien herrschte die Militärdiktatur, gingen wir nach Europa, wo wir das Leben von Flüchtlingen führten, von Immigranten, von Studenten – von allem ein bisschen. Drei Jahrzehnte später leben wir immer noch in einem fremden Land.

So ist es nicht verwunderlich, dass ich mich mit Migranten, mit Menschen, die fern ihrer Heimat ein neues Leben aufzubauen versuchen, identifizieren kann, dass sie mir fast wie heimliche Verbündete vorkommen.” (Aus dem Katalog zu der Ausstellung EXODUS)

Interview im Tagesspiegel

Der Fotograf Sebastião Salgado, 64, lebt für seine Sozial-Reportagen monatelang unter Armen, in der Wüste oder im Dschungel. Doch wie entstehen seine Bilder?

Herr Salgado, Sie gelten als der letzte große Reportagefotograf, gleich eröffnen Sie in Berlin Ihre Ausstellung über Kaffeearbeiter. Woher kommen Sie gerade?

Ich bin vor einigen Tagen aus Papa-Neuguinea zurückgekehrt, wo ich zwei Monate im Urwald gelebt habe. Es war heiß, feucht, es gab jede Menge Moskitos und anderes Gewürm. Mir ist eine winzige Fliege ins linke Auge geraten, und ich brauchte 13 Stunden, um sie wieder herauszupulen.

Das linke Auge, das Sie beim Fotografieren immer zukneifen?

Hier, Sie können das sehen. Es ist ohnehin ständig leicht entzündet.

Aber das ist mir alles egal, wenn ich in dieser wahnsinnigen Natur arbeite. Ich habe mit den Ureinwohnern gelebt, war die ganze Zeit unter Tieren. In solchen Situationen werde ich komplett eins mit mir und meiner Umwelt. Als ich wieder in Paris war, fühlte ich mich eingesperrt in meiner Wohnung innerhalb einer großen, dreckigen Stadt. Die ganze Entspannung war weg. Plötzlich gibt es wieder all diese Gespräche, die Absprachen, die Interviews…

…oh, tut uns leid…

…nein, Sie können nichts dafür. Aber es ist die Hölle. Ich arbeite gerade an einem Projekt, das auf acht Jahre angelegt ist, vier habe ich noch vor mir.

Sie meinen „Genesis“. Fotos von noch unzerstörten Landschaften, Wüsten, Urwäldern, der Antarktis.

Ja, Projekte dieser Größenordnung brauchen eine ungeheure Vorrecherche, fast wie ein Film. Mein Team in Paris besteht aus acht Leuten, man muss Feiertage kennen und in die Antarktis kann man zum Beispiel nur zwischen Dezember und Ende Februar. Aber ich verrate Ihnen was: Wenn ich endlich fotografieren kann, beginnen für mich die Ferien.

Wie müssen wir uns so einen Ferientag vorstellen?

Nehmen wir die Bilder über die Kaffeearbeiter. Ich habe sie an insgesamt 15 Tagen geschossen. Aber sie begannen früh: um vier Uhr morgens, mit dem ersten Licht. Dann ist man die ganze Zeit mit den Arbeitern zusammen, passt sich ihrem Rhythmus an, man bemerkt überhaupt nicht, dass die Zeit verstreicht.

Ruhen Sie sich zwischendrin im Hotel aus?

Niemals. Ich hätte Angst, etwas zu verpassen. Nach der Arbeit setze ich mich mit den Leuten zum Essen hin, wir unterhalten uns. Die Zeit gewinnt ein anderes Maß. Ich habe mal mit Indianern am Amazonas gearbeitet. Als ich sie fragte, wann sie zum Fischen fahren, hat einer seinen Arm ausgestreckt und gen Himmel gezeigt. Ich wollte dann wissen, wann sie jagen? Der Mann reckte wieder den Arm in den Himmel, diesmal woandershin. Da begriff ich, dass er mir zeigte, wo die Sonne dann stehen würde. Man muss in diesen Momenten als Fotograf einfach da sein.

Aber wie verständigen Sie sich?

Ich spreche Portugiesisch, Französisch, Englisch und Spanisch, aber ich brauche die Sprachen gar nicht. Ich bin wie ein Fisch im Wasser. Es gibt nicht mehr viele Kollegen, die sich diese Zeit nehmen und mit ihrer Umgebung verschmelzen.

Steht nicht immer die Kamera zwischen Ihnen und den Menschen?

Ehrlich gesagt, manchmal merke ich gar nicht, wenn ich ein Foto mache. Ich bewege einfach meine Finger, die Kamera wird Teil meiner Hand.

Das klingt wie Meditation.

Absolut, die totale Konzentration. Die BBC hat einmal eine Dokumentation über mich gedreht, und als ich die ansah, habe ich entdeckt, dass ich beim Wechseln der Filme immer wieder singe. Nicht zur Ablenkung, sondern um meine Konzentration zu halten, weil der Filmwechsel ja immer eine Unterbrechung der Sequenz ist, die man gerade aufnimmt.

Seit Ihr Kollege Henri Cartier-Bresson den Begriff des „perfekten Moments“ geprägt hat, waren Generationen von Fotografen auf der Suche danach.

Für mich ist es anders. Das Fotografieren ist wie eine Kurve, auf der man sich bewegt. Sie steigt an, und auf dem höchsten Punkt machen Sie Ihre besten Bilder. Cartier-Bresson sprach nur von dem Höhepunkt. Aber ich mache vorher Bilder und nachher. Ohne das Vorher und das Nachher gäbe es auch diesen besten Moment nicht. Ich komme nicht mal eben von außen in eine Situation, erkenne den perfekten Moment, drücke auf den Auslöser und verschwinde wieder. Ich lebe in dieser Kurve. Sie kann eine Stunde dauern oder auch eine Woche.

Der richtige Moment existiert für Sie nicht?

Alle Momente sind der richtige Moment. Wichtig ist das ganze Phänomen.

Aber auch Sie wurden berühmt mit Fotos von einem besonderen Moment: dem Attentatsversuch auf Ronald Reagan 1981.

Ach, das war doch nicht der Beginn meiner Karriere. Ich war damals schon Magnum-Fotograf. Die „New York Times“ wollte, dass ich Reagan ein paar Tage begleite, dann fielen die Schüsse. Aber die Fotos waren nie etwas Besonderes für mich. Ich habe in 60 Sekunden rund 70 mal auf den Auslöser gedrückt. Normalerweise stecken in meinen Büchern mehr als vier Jahre Arbeit.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie ausschließlich mit Schwarzweißfilmen arbeiten…

…soll ich Ihnen was verraten? Ich habe angefangen, digital zu fotografieren.

Wie bitte?

Die Qualität der Filme hat extrem nachgelassen. Früher hatten Schwarzweißfilme einen hohen Silberanteil. Silber ist aber teuer. Vor zwanzig Jahren war die Qualität eines Kleinbildnegatives besser als heute die Qualität eines Mittelformats, das dreieinhalb Mal so groß ist. Man kann das an den alten Abzügen sofort sehen.

Wie verändert das Ihre Arbeit?

Erstaunlicherweise ändert es gar nichts. Ich mache Kontaktbögen wie mit den Filmen, ich nehme mir die Lupe und suche die Bilder aus. Dann werden Arbeitsabzüge in 13 mal 18 gemacht, der einzige Unterschied ist, dass die Basis nicht mehr chemisch, sondern physikalisch ist.

Wir haben eines Ihrer dicken Bücher mitgebracht: „Arbeiter. Zur Archäologie des Industriezeitalters“. Es heißt, dass Sie sich an jedes einzelne Ihrer Fotos erinnern.

Oh ja, absolut. Ich könnte über jedes Bild Vorträge halten.

Beweisen Sie es.

Mal sehen. Oh ja, hier (Bild oben rechts). Die Goldmine in Serra Pelada….

…das sind Ihre berühmtesten Bilder.

Dahinter steckt eine lange Geschichte. Es begann, als ich zum ersten Mal wieder in Brasilien war. Meine Frau Lélia und ich hatten das Land 1969 verlassen müssen. Wir waren in der linken Bewegung und hatten gegen die Diktatur gekämpft.

Sie kannten sogar den Studentenführer Carlos Marighella, der das „Minihandbuch des Stadtguerilleros“ geschrieben hat, das später von IRA und RAF benutzt wurde.

Wir waren mit Bekannten von ihm befreundet. Einige wurden festgenommen und gefoltert. Wir mussten also weg und gingen nach Paris. Erst 1980 konnten wir zurück. Da wurde Gold in der Serra Pelada im Nordosten des Landes gefunden, und innerhalb einer Woche gruben dort 50 000 Menschen. Aber die Bundespolizei kontrollierte die Goldmine, und ich bekam keine Erlaubnis, sie zu fotografieren. Die Fotografen von „Stern“, „Geo“ und „Time“ durften, ich war das schwarze Schaf, mein Gesuch wurde jahrelang abgelehnt. Nach dem Ende der Diktatur 1985 übernahm die Gewerkschaft die Kontrolle, und ich bin einfach hingefahren.

War da nicht schon längst alles gelaufen?

Nein, es gab eine Menge Gold: Man hatte schon fünf bis sechs Tonnen herausgeholt. Ich war einen Monat in der Mine, immer mit den Arbeitern. Ich sah genauso verdreckt aus wie sie, voller Staub, Schweiß und Schlamm. Die Mine hatte 1000 Eigentümer, jeder hatte eine winzige Parzelle. Auf jeder dieser Parzellen arbeiteten 20 bis 25 Männer. Einige zum Graben, andere zum Transportieren der Erde. Wenn es nun Anzeichen für Gold gab, etwa wenn die Farbe der Erde sich änderte, mussten sich die Transporteure blaue T-Shirts anziehen, und es wurden weiße Säcke verwendet, damit man den Weg des Sacks durch die Mine beobachten konnte.

Die Bilder aus der Goldmine haben Ihnen den Ruf eingebracht, ein Fotograf zu sein, der soziale Missstände anklagt.

Überhaupt nicht. Ich zeige einfach Arbeitsbedingungen. Keiner der Männer in dieser Mine wurde gezwungen, dort zu arbeiten. Sie zockten wie im Casino. In jedem Sack könnte ein Kilo Gold sein.

Für Ihr Projekt „Genesis“ waren Sie in der Antarktis und haben tagelang Pinguinkolonien fotografiert. Was ist für Sie der Unterschied zwischen der Goldmine und einer Pinguinkolonie?

Mit Pinguinen spreche ich nicht, esse ich nicht und schlafe ich nicht. Aber ich habe trotzdem viele Ähnlichkeiten entdeckt. Pinguine bauen ihre Nester wie es Menschen machen würden, geschützt vor dem Wind und den Attacken anderer Tiere. Ich habe beobachtet, wie eine Pinguinmutter mit ihrem Jungen schimpft, sie hat ihren Kopf zu ihm heruntergebeugt und gemeckert, weil das Kleine beinahe von einem Vogel gefressen worden wäre. Wenn die Kleinen größer sind, gehen beide Eltern fischen und die Kinder kommen in eine Art Kindergarten, wo zwei Pinguine auf sie aufpassen. Ich habe einen Monat mit den Tieren verbracht und eine Beziehung zu ihnen aufgebaut.

Sie fotografieren Pinguine wie Menschen?

Wissen Sie, wir haben keine Beziehung mehr zur Natur. Wir umgeben uns mit Beton und Zement und haben uns von unserem Planeten ausgeschlossen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, ihn wiederzuentdecken, dann werden Sie die Tiere nicht wie Fremde betrachten, sondern wie Zeitgenossen. Ratten sind zu 95 Prozent so gemacht wie wir. Wenn Sie das begreifen, machen Sie bessere Bilder von ihnen.

Sebastião Salgado wuchs auf einer Farm in Brasilien auf. Er arbeitete nach dem Studium als Ökonom. Als er 1973 die Leica seiner Frau in die Hände bekam, beschloss er, Fotograf zu werden.

Interview mit der BBC im Jahre 2010

 



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Indiana Jhones

April 4, 2012 · 0 comments

Brasilien ist dafür bekannt, Kinder mit Namen berühmter Leute zu taufen. Auf Rechtschreibung wird keinen Wert gelegt. Hauptsache es tönt einigermassen nach dem Original. Als ich heute morgen das Onlineportal G1 öffnete, sah ich die Schlagzeile: “Filho de pescador, Indiana Jhones é campeão brasileiro de matemática.” Bedeutet: “Indiana Jhones, Sohn eines Fischers, ist neuer brasilianischer Mathemeister”. Ob da George Lucas und Steven Spielberg wohl Freude haben?


Der junge Mathematiker wohnt in einem kleinen Fischerdorf Namens Pixom im Bundesstaat Alagoas.


Indiana Jhones:”Mathe ist sehr wichtig in meinem Leben.”

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Das WM-Gesetz

March 29, 2012 · 0 comments

Unsere Politiker haben sich die letzten Monate nicht mit wirklich wichtigen Themen beschäftigt. Seit Monaten wird gestritten, ob nun während des Confederation Cups 2013 und der Fussballweltmeisterschaft 2014 Alkohol in den Stadien ausgeschenkt werden darf. In den meisten brasilianischen Bundesstaaten herrscht in den Stadien Alkoholverbot. Zu Recht, wenn man sich das Gewaltpotenzial anschaut. Letztes Wochenende wurde wieder ein Fan in São Paulo mit einem Kopfschuss hingerichtet.

Gestern wurde nun beschlossen, dass während der WM die bundesstaatlichen Gesetze keine Gültigkeit mehr haben und ein nationales “Lei da Copa” (WM-Gesetz) darübergestülpt wird, das den Alkoholausschank erlaubt. Die FIFA und ihre Sponsoren waren darüber natürlich begeistert. Logisch, zählen tut schlussendlich nur der Gewinn. So trinkt der Brasilianer an der WM amerikanisches Bier aus dem Hause Anheuser Busch und fährt danach mit dem Auto nach Hause, obwohl (theoretisch) das “0-Promille-Gesetz” bestünde.

Das WM-Gesetz beinhaltet aber noch mehr: So werden 10 Prozent der Tickets für 25$ an Rentner, Schüler und Bezüger von Sozialleistungen abgegeben. Ingesamt 300’000 Tickets für die WM 2014 und 50’000 für den Confederations Cup 2013. Rentner bezahlen für alle Tickets in allen Kategorien den halben Preis, für Menschen mit Behinderungen ist 1 Prozent des gesamten Ticketvolumens reserviert. Die Schulferien im Jahr 2014 müssen per Gesetz während der WM stattfinden. Soll mir mal einer sagen, dass Fussball keine Droge sei…

Das letzte verabschiedete Gesetz besagt, dass alle Weltmeisterkicker der Jahre 1958, 1962 und 1970 einen Betrag von 100’000 Reais (50’000 CHF.) bekommen. Zudem wird den damaligen Weltmeistern eine Pension von monatlich 3’900 Reais (1900 CHF.) ausbezahlt. Für schon verstorbene Kicker wird der Betrag an die Familie überwiesen. Warum kommen nur Fussballer in den Genuss dieser Pension? Haben die nicht schon damals gut verdient?

Schon Wahnsinn, wenn man bedenkt, was das Land für Baustellen hätte. Bildung, Gesundheit oder öffentliche Sicherheit. Was nur die Stadienbauten für öffenliche Gelder verschlingen…

Wer immer noch glaubt, dass die Bevölkerung in Südafrika von der Fussballweltmeisterschaft vor zwei Jahren profitiert hat, dem kann ich folgendes Video empfehlen:

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Im brasilianischen Kongress, wo überbezahlte Politiker sitzen, die nichts tun, ausser die eigene Tasche zu füllen, spielte sich vor einiger Zeit folgendes ab:
Eine Abgeordnete trat ans Rednerpult und begrüsste zuerst mal den Bischof und unzählige Pastoren. Danach beginnt sie vom Herrn Jesus zu erzählen und dass ihre Sekte (“Assembleia de Deus”) ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Danach lädt sie alle Politiker ein, mitzusingen.

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Eike Batista ist der reichste Bürger Brasiliens und belegt Platz 8 der “Forbes-Liste”. Sein Geld verdient er mit seiner Holding EBX. In Brasilien reich zu sein, hat so seine Vorteile. Mit ziemlich grosser Sicherheit kommt man nie hinter Gitter, egal was man tut. Die Beziehungen in die obersten Etagen helfen ebenfalls, die Gesetze zu umgehen.

Batistas ältester Sohn Thor hat in den letzten Tagen für Aufsehen gesorgt. Mit dem Mercedes McLaren (450’000 Euro) seines Vaters (normalweise fährt er einen Aston Martin) überfuhr er einen Radfahrer in Rio de Janeiro. Was den Fall interessant macht, ist der Fakt, dass Thor eigentlich gar nicht mehr im Besitze eines Führerscheins sein dürfte. In Brasilien gibt es das Punktesystem. Für jede Verletzung des Strassengesetzes gibt es Punkt. Je nach Vergehen mehr oder weniger Punkte. Mit 21 Punkten verliert man den Führerschein für ein Jahr und muss Kurse besuchen, um wieder Autofahren zu dürfen.
Zurück zu Thor. Innerhalb eines Jahres (2009-2010) hat Thor 5 Bussen wegen exzessiver Geschwindigkeitübertretung erhalten: 21 Punkte. Laut Gesetz hätte er seine Zulassung verlieren müssen. Ist aber nicht passiert. Noch schlimmer, Thor war in diesem Zeitabschnitt in der Probezeit. Trotzdem hat der seinen Führerschein erhalten. Im Jahre 2011 erhielt er 6 Bussen: 30 Punkte. Damit kommt auf ein stolzes Total von 51 Punkten in 1.5 Jahren.

Thor hat dem Opfer übrigens keine Erste Hilfe geleistet. Er selbst hätte schlimme Schnittverletzungen davongetragen und vor lauter Blut überhaupt nichts mehr gesehen, erklärte er per Twitter.

Für die brasilianische Allgemeinheit dürfte der Ausgang dieses Falls interessant sein. Die Meisten hoffen auf Gerechtigkeit, glauben aber realistischerweise nicht an eine Verurteilung. Zu oft schon sind Bekannte und Reiche ohne Schaden davongekommen, während Arme ohne Lobby sofort ins Gefängnis wandern. Eike Batista hat seinem Sohn bereits seinen Staranwalt zur Seite gestellt, der schon Justizminister Brasiliens war. Der Thor muss sich also keine grossen Sorgen machen…

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Favela

March 13, 2012 · 0 comments

Leute, die in einer Favela wohnen, mögen es eigentlich nicht, wenn man von Favela spricht. Der Ausdruck hat in den letzten Jahren wirklich einen sehr schlechten Ruf erlangt. Die Medien sind daran nicht ganz unschuldig. Favela tönt nach Banditen, Drogengangs und Kindern mit Gewehren. In Wirklichkeit leben in den Favelas Brasiliens sehr viele anständige Menschen, bei denen sich manch einer der Oberschicht etwas abschauen könnte.

Heute habe ich dies einmal mehr erlebt als wir die Filmaufnahmen für das Video machten, das wir dem Bürgermeister und Governeur zukommenlassen und in den “sozialen Medien” verbreiten werden. Auch alle Politiker, die für den vakanten Bürgermeisterposten im Oktober dieses Jahres kandidieren, werden das Video erhalten. Ich hoffe, dass wir damit auch nur etwas Kleines in die Wege leiten können, damit die überbezahlten und vielfach unfähigen Politiker endlich ihrer verdammten Pflicht nachkommen und den Leuten ein anständiges Leben ermöglichen.
Wohin wandern eigentlich die absurd hohen Steuern? Ins öffentliche Gesundheitssystem, in die öffentliche Sicherheit und Bildung ganz bestimmt nicht.

Brasilien (sechstgrösste Wirtschaftsmacht der Welt) ist ein krasses Land. Während sich die Oberschicht an den importierten BMWs erfreut, fliessen Fäkalien am Essentisch der Armen vorbei.

Hier ein paar tolle Menschen aus der “Comunidade S” aus João Pessoa, PB:

Idosa

Meninos

45615

Menino

Mulher

“Das Wenige, das du tun kannst, ist viel.” – Albert Schweitzer

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Gestrandete Delfine

March 8, 2012 · 1 comment

Vor ein paar Tagen sind in Arraial do Cabo im Bundesstaat Rio de Janeiro rund 30 Delfine gestrandet. Dank dem grossartigen Einsatz von Helfern, fanden alle Tiere unverletzt den Weg zurück ins Nasse. Klasse Aktion, faith in humanity restored!

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Hollywoodstar in Recife

February 29, 2012 · 0 comments

Gestern hat ein Mann in Recife versucht, mit einer gefälschten Identitätskarte ein Konto zu eröffnen. Der Bankangestellte wurde stutzig, als der das Foto genauer anschaute:

Anscheinend bestand überhaupt keine Ähnlichkeit zwischen João Pedro dos Santos und Jack Nicholson. Wirklich clever, João!

Bei der Verhaftung wurden weitere sechs gefälschte Identitätskarten gefunden. Der gefasste dumme Dieb wies jede Schuld von sich und wollte nur mit einem Richter sprechen.

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